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Vitruv und Da Vinci

 

“Den Körper des Menschen hat die Natur so geformt, daß das Gesicht vom Kinn bis zum oberen Ende der Stirn und dem unteren Rand des Haarschopfes 1/10 beträgt, die Handfläche von der Handwurzel bis zur Spitze des Mittelfingers ebensoviel, der Kopf vom Kinn bis zum höchsten Punkt des Scheitels 1/8….. Vom unteren Teil des Kinns aber bis zu den Nasenlöchern ist der dritte Teil der Länge des Gesichts selbst, ebensoviel die Nase von den Nasenlöchern bis zur Mitte der Linie der Augenbrauen. Von dieser Linie bis zum Haaransatz wird die Stirn gebildet, ebenfalls 1/3 ….”
Vitruvs System wurde von Proportionstheoretikern der Renaissance übernommen, so z.B. von Leonardo da Vinci. Sein “Homo ad Circulum” ist eine Illustration der Vitruvschen Proportionslehre. Er übernimmt auch die Aussage Vitruvs, daß der Nabel der “Mittelpunkt” des Körpers sei.

Leonardo illustrierte eine der bedeutendsten Proportionslehren der Renaissance,”De Divina Proportione”, des Mathematikers Luca Pacioli. Auch Dürer stützt sich in seinen “Vier Bücher von menschlicher Proportion” auf Vitruv, dessen Schema er weitgehend übernimmt und verfeinert. Alle diese Proportionssysteme gehen aus vom Körper des Menschen als Maßeinheit und drücken seine Teile aus als Quotienten dieses Ganzen.

(Quelle: Uli Schuster)

Polyklet

 Die wohl bedeutendste Proportionslehre der Griechen stammt von Polyklet 5. Jh. v.Chr. Er hat eine allerdings nicht erhaltene Proportionsschrift “Kanon“(Regel) geschrieben und eine plastische Figur nach dieser Regel geschaffen, die auch nicht im Original erhalten ist, den Doryphoros oder Speerträger. Polyklet war offenbar der Erste, der seine Theorie auf Messungen am menschlichen Körper zurückgeführt hat.
Die Überlieferung (Galen, 2. Jh n. Chr.)sagt:
“Chrasippos ist der Meinung, daß körperliche Schönheit auf der Proportioniertheit der Glieder beruht, also eines Fingers zum anderen und aller Finger zur Mittelhand und Handwurzel und dieser Teile zum Unterarm und des Unterarms zum Arm und so fort jeden Teils zu allen, gerade so, wie das in Polyklets “Regel” geschrieben steht.”
Proportioniertheit in diesem Sinn bedeutet also Verhältnismäßigkeit. Die Körperteile werden zueinander in Beziehung gesetzt, miteinander verglichen. Das erfordert kein absolutes Maß sondern zielt darauf ab das Ganze als Summe der Einzelteile zu begreifen.

(Quelle: Uli Schuster)